Auf a Bier mit… Richard Süßmeier

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SG: „Geht erna die Wirtszeit ob?“

RS: „I hob mi auf die Gastseitn gschlong: I kann higeh, wo i mog. I kann geh, wann i mog.

Da einzige Nachteil is, dass i jetzt zoin muaß.“

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Quelle: Süddeutsche Zeitung

Letzen Freitag hatten wir die Ehre, uns mit einer Münchner Legende zu treffen. Im „Gasthaus Großmarkthalle“ bei ein paar der besten Weißwürste in München (ganz ehrlich) durften wir einigen Geschichten rund um die Wiesn und dem Leben von Herrn Süßmeier lauschen.  

Der heute 84-jährige Richard Süßmeier, auch der „Napoleon der Wirte“ genannt, wurde 1958 mit 27 Jahren zum Wiesnwirt der Armbrustschützengilde. Damals war diese „Bretterburg“ noch mehr für die Schützen während der Wiesnzeit da, als für alle anderen Wiesnbesucher. Es stand ganz hinten an der Bavaria, genau an der Stelle, wo jetzt das große Sportschützenzelt steht.

Gerade weil diese „Burg“ damals noch nicht mit den großen Festzelten mithalten konnte, entschied sich der junge Wiesnwirt Süßmeier nicht wie die anderen mit einer prunkvollen Kutsche einzuziehen, sondern wählte ein Eselgespann. Damit gelang es ihm die Aufmerksamkeit der Leute und der Medien auf sich und das Ambrustschützenzelt zu lenken und dieses somit bekannter zu machen. 

„Ich wollte das Bild, weil was nützt mir der schönste Text, wenn die Leute nur das Bild anschauen“. 

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Quelle: br.de

Die Stadt und die Wiesn-Offiziellen duldeten das natürlich nicht und wollten, dass Süßmeier das nächste Mal standesgemäß einreitet. Das hat er dann auch getan – auf einem Schaukelpferd. Und auch da war ihm das Bild in der nächsten Tageszeitung sicher. 

In der Zeit als Richard Süßmeier zum Wiesnwirt wurde, war das Oktoberfest alles andere als eine Goldgrube. In der ersten Wiesnwoche hatten die Brauereien gut damit zu tun, ein volles Zelt zu bekommen. Und das war wichtig, denn ein volles Zelt spiegelte auch damals die Beliebtheit des Bieres wider. Dazu wurden beispielsweise an die Brauereimitarbeiter Biermarkerl verteilt, damit die dann rein gehen und das Zelt somit gut besucht ausschaute. Dass es einmal Schilder mit der Aufschrift: „Wegen Überfüllung geschlossen“ gibt, konnten sich die Wirte damals noch nicht vorstellen. 

An eine allgemeine Tracht war damals nicht zu denken. Der Wirt vom Augustinerzelt saß sogar im „Gesthintre“ (Vrack) samt Zylinder in seiner Kutsche beim Einzug. 

Auch die Frage warum eigentlich immer im Schottenhamel vom Oberbürgermeister ozapft wird, konnte uns Herr Süßmeier beantworten. Dieses Medienereignis entstand durch einen Zufall. Der frühere Oberbürgermeister Thomas Wimmer hatte im Jahr 1950 (das zweite Oktoberfest nach dem Krieg) seine Kutsche für den Wirteeinzug verpasst. Michael Schottenhamel hat ihm dann angeboten bei ihm mitzufahren. Auf der Fahrt kamen die beiden auf die Idee, dass der OB dann auch gleich ozapf`n könnte. Er brauchte ganze 17 Schläge und führte die wichtigste Amtshandlung eines Münchner Oberbügermeisters ein. So entstand die Tradition und bis heute wird im Schottenhamel am ersten Wiesntag um Punkt 12 Uhr Mittags angezapft, gefolgt von 12 Bollerschüssen, damit auch die anderen Wirte Bescheid wissen, dass ab jetzt für 16 Tage Bier ausgeschenkt werden darf. 

Von 1958 bis 1984 war Richard Süßmeier Wiesnwirt und hat die kleine Ambrustschützengilde zu einem der großen Festzelte gemacht und ganz vorne in die Wirtsbudenstraße gebracht. 

Aber er war nicht nur Wiesnwirt. Herr Süßmeier ist auch ein waschechter „Wirtsbua“. Seine Eltern betrieben den Straubinger Hof am Viktualienmarkt. Die Mutter war für die Küche zuständig und der Vater für die Gaststube. Ganz ungern ging die Mutter raus in die Gaststube und wenn, dann nur zu späterer Stunde, wenn noch Stammgäste da waren, die sie mochte. Zuvor wurde allerdings noch die Wirtsstube abgesperrt, damit kein anderer mehr rein kommen konnte. 

Als der Vater dann sehr früh starb, musste der junge Richard mit 17 Jahren den Part des Vaters übernehmen und war fortan der Wirt des Straubinger Hofs. Bei Stammgästen konnte er jedoch die Bezeichnung als „Wirrtsbua“ bis in seine Fünfziger nicht loswerden.

Neben dem Straubinger Hof, war auch das „Wirtshaus zum Spöckmeier“ am Marienplatz, die „Gaststätte Großmarkthalle“, das „Forsthaus Wörnbrunn“ in Grünwald und ein paar weitere Gastronomiebetriebe in den Händen von Richard Süßmeier. 

Seine amüsante und ruhige Art zu erzählen und Geschichten wie, dass seine Mutter, nachdem die Rückseite vom Haus im Zweiten Weltkrieg zerbombt wurde, in erster Linie darüber verärgert war, dass der frisch gebackene Kuchen jetzt weg sei, machten das Gespräch mit dem ehemaligen Wiesnwirt nicht nur sehr persönlich und sympatisch, sondern machten uns vor allem Lust auf Mehr. 

Mehr Erzählungen und mehr Anekdoten aus dem Leben von Richard Süßmeier gibt es zum Glück bald, denn der nächste Termin für ein Gespräch mit uns Dreien ist gesetzt. Gab es dieses Mal die beste Weißwurst Münchens in der Gaststätte Großmarkthalle, so gibt es das nächste Mal den besten Kaiserschmarn Münchens beim Sedlmayr.

Auffällig oft verwendete Herr Süßmeier das Wort „Glück“ und so haben auch wir Glück, dass ein Wiedersehen mit dem immernoch gut beschäftigten Münchner Urgestein stattfinden wird, denn ein kurzer Blick in seinen Terminkalender, den er zu Ende unseres Gesprächs zückte, ließ darauf schließen, dass Herr Süßmeier – und nicht weniger seine interessanten Geschichten-, nach wie vor sehr gefragt sind.

Eine Antwort

  1. […] aka. Weißwurscht-Frühstück). Hamma auch scho mitm Münchner Urgestein Richard Süßmeier machen […]

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